Wirtschaftskrise auch in der chemisch-pharmazeutischen Industrie Mai 09
Dass die Wirtschaftskrise nicht an der chemisch - pharmazeutischen Industrie vorbeigehen würde, war auch dem letzten Mitarbeiter klar. Dass aber die Schuld an der Finanzmisere der Krankenkassen wieder einmal dieser Industrie angelastet wird, ist so nicht unwidersprochen hinzunehmen. Der durch die Wirtschaftskrise prognostizierte Rückgang des Wirtschafts- wachstums um ca. 6% für 2009 bedeutet nicht nur rd. 100 Mrd. € weniger Umsatz und etwa 30 Mrd. € weniger Steuern, sondern auch geschätzte 1,2 bis 1,5 Mio. mehr Arbeitslose und dadurch bedingt drastische Einbußen bei den Einnahmen der Sozialversicherungssysteme, also wieder einmal kein Ausgaben- sondern ein Einnahmenproblem! Dabei ist noch positiv, dass jeder durch Kurzarbeit verhinderte Jobverlust monatlich 900 € spart. Für jeden Kurzarbeiter, so die Bundesanstalt für Arbeit, müssen 590 €/Monat aufgewendet werden, für jeden Arbeitslosen dagegen 1500 €. Das bedeutet, dass auch jeder in der chemisch-pharmazeutischen Industrie wegfallende Arbeitsplatz die genannten Folgekosten produziert! Hierfür allerdings wird kein Schirm gespannt, kein Paket geschnürt, keine Staatsbürgschaften eingesetzt, kein Politiker angehalten, sich darum zu kümmern. Wen interessiert schon die Arbeitslosigkeit von Pharma-Mitarbeitern, von Pharma-Außendienstlern? Nein, man kann sich sogar seitens der Macher von Frontal 21 über den Sender die spitze Bemerkung erlauben, wen wundere es, dass die Pharmaindustrie trotz Wirtschaftskrise noch Gewinne mache, und von der Schweinegrippe profitiere diese Branche. Jeder andere positive Bericht aus der sonstigen Industrie wird als Hoffnungsschimmer am Horizont begrüßt! Als ob die Gesundheitskosten bei einer Wirtschaftskrise mit sinkenden Realeinkommen auch zurückgehen müssten. Bekanntlich ist das Gegenteil der Fall.
Unerwähnt bleibt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es in dieser so oft gescholtenen Industrie durchaus Gewinneinbrüche und als Folge davon Arbeitsplatzabbau, massiv auch in den Außendiensten, gegeben hat. Brauchen Heilkundler und ihre Patienten keine Beratung zur besseren Anwendung von Arzneimitteln mehr? (Reichte Contergan noch nicht, und sprechen jährlich 17.000 Tote wegen fehlerhafter Anwendung von Arzneimitteln, so eine Studie aus Münster, nicht eine beredte Sprache?)
Der Anteil der Kosten für Arzneimitteln an den Gesamtausgaben der Kassen ist seit Jahren in etwa konstant, genauso wie der am BIP. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten stiegen unvergleichlich schneller und höher! Außerdem kann nicht oft genug die bewusst verschwiegene Tatsache herausgestellt werden, dass Arzneimittelausgaben zu 55% von der Industrie, aber eben auch zu 45% durch Pharma-Großhandel, Apothekerschaft und vor allem den Staat produziert werden! Es war schon voraus zu ahnen, dass die Mehrkosten durch die Mwst.-Erhöhung (rd. 1 Mrd. €/Jahr!) recht bald bei der Betrachtung der steigenden Kosten außer acht gelassen werden würden, genauso wie die Mehrkosten durch politisch gewolltes und sinnvolles Mehrimpfen. Die pharmazeutische Industrie blutete bei jeder „Gesund- heitsreform" mit, teils als politisch akzeptiertes Bargeld (was dann noch als Ablasshandel durch ideologisch verbrämte Menschen disqualifiziert wurde), teils als Rabatte, teils als generell verordnete Preisabsenkungen oder als Preisstopps, jedes Mal litt der Außendienst mit
Vielleicht sollten unsere Politiker einmal daran erinnert werden, dass diese Branche mit ihren Mitarbeitern, auch Außendienstlern, jahrelang für einen hohen milliardenschweren Exportüberschuss gesorgt hat, ohne dafür jemals gerügt zu werden. Alles schon vergessen?
Erhard Jörgens, HMP®
Ehrenamtlicher Berater Vorstand BdP Deutschland e.V.
Freier Journalist für Gesundheitspolitik

